Hochverehrter Leopold Leopoldowitsch,
in der Hoffnung, dass Sie den höchsten Grad der Gesundheit genießen,beeile ich mich Ihnen mitzuteilen, dass meine Lesereise durch das blühende Österreich nicht nur entzückend war, sondern auch zur kulturellen Verständigung im europäischen Maßstab beigetragen hat. Seien Sie darum ohne Sorge, Ihre Mühen haben sich gelohnt, Sie haben auf das beste Pferd gesetzt. Ich, als ukrainischer Bürger, habe unserer ukrainischen Heimat alle Ehre gemacht mit meinen zahlreichen Auftritten. Auf den Empfängen habe ich mich selbstverständlich zusammengerissen, mehr genippt als getrunken, meine Nahrung in Maßen und öffentlich präsentabel verzehrt und nicht randaliert. Den Damen im Umkreis habe ich ihre weißen österreichischen Händchen geküsst, nach alter Sitte. Sie dürfen zufrieden sein.
Von der österreichischen Seite wurde ich nicht einfach herzlich empfangen. Ich wurde herzzerreißend herzlich empfangen. In jedem Dorf wurde ich von süßen Kindern und strahlenden Frauen mit Blumen begrüßt. So etwas haben Sie noch nie erlebt. Wie oft musste ich mit den Tränen der Rührung kämpfen! Mein altes Herzchen wurde weich auf dieser Reise.
Zwischen den Auftritten wurde ich von guten Geistern liebevoll umsorgt. Einmal nahm man mich sogar zu einer Bootsfahrt mit. Unter großen Bäumen sah ich an den humusreichen Ufern der Kanäle Bärlauch (allium ursinum) wachsen. Bärlauchpflanzen sehen von weitem wie Schneeglöckchen aus und sind essbar. Aus Bärlauch gewinnt die lokale Bevölkerung ihre weltberühmte und so nahrhafte Bärlauchsuppe, die wunderbar einfach im Zubereiten und herrlich weich im Schlucken ist.
Was habe ich für hervorragende Menschen getroffen! Jede Begegnung hat mich in meinem Glauben an Gottes Liebe bestärkt, die er in seinen lebendigen Heiligen zerstreut hatte – in einfachen Menschen. „Der Mensch ist gut!“ Diese kühne Hypothese hat sich wieder bestätigt. Ich darf mich jetzt mit neuen Kräften an meine Arbeit machen, um weiter zu forschen im Dienste der Poesie.
Ich drücke Ihre große, ehrliche Hand, Genosse!
Ihr Petrov