FRAU AVA LITERATURPREIS

Prof. Dr. Ulrike Wiethaus in Paudorf - Göttweig

Fr. Prof. Dr. Ulrike Wiethaus von der Wake Forest University in North Carolina, USA hielt am 17.Juli 2005 um 18 Uhr im Hellerhof in Paudorf einen Vortrag über "Endzeiterwartung und Apokalypse in den Schriften der Frau Ava"




 

Da so herrlich schönes Sommerwetter bei strahlend blauem Himmel war, wurde der Vortrag von Frau Prof. Dr. Wiethaus kurzfristig in den Garten des Hellerhofes, am Witzelsdorfer Altar verlegt. 

 

 

Zusammenfassung des Vortrages:

(durch L.Heninger, eine Langfassung von Prof. Wiethaus wird in Kürze hier veröffentlicht)

 

Bedingt durch die derzeitige Weltlage, Terror, Selbstmordattentate usw. ergibt sich in Teilen der christlichen der Welt eine Endzeitstimmung. Frau Ava hat in Ihrem Werk „Das jüngste Gericht“ eine Apokalypse, eine Endzeit beschrieben.

 

Die Forschung über Frau Ava hat nach dem ersten Schritt – Datensicherung – und der zweiten Welle – der Kontext zur Bibel, die theologische Interpretation ihrer Werke - als dritten Schritt noch einiges zu leisten: Wie ist der Kontext der Ava Werke zur weltlichen Literatur und insbesondere zur mittelalterlichen Frauenliteratur?

 

Doch wer war Frau Ava? Über Frau Ava selbst, ihr Leben, ist sehr wenig bekannt, wir wissen nur genau Ihren Todestag mit dem 8.Februar 1127. Doch was können wir aus ihren Werken über sie lernen, was teilt sie uns mit ihren Werken über sich selbst mit?

Sie ist eine Adelige, die sich als Klausnerin ins Kloster zurückzieht, aller Wahrscheinlichkeit nach in das Benediktinerkloster Göttweig im Klein-Wiener Tal, schreibt in deutscher Sprache. Zwei Söhne im geistlichen Stand. Sie wird oft als Mystikerin bezeichnet.

 

Prof. Wiethaus ist hier anderer Meinung: Frau Ava ist sozusagen vom „Fach“, gebildet in der Bibel; ihre Werke sind klar strukturiert und beinhalten keine eigenen Visionen. Ava schreibt wie ein Mann, die Themen, das Genre stand bisher nur Männern zu. Ihre Werke sind in Reimform, in der Struktur der Epik des Nibelungenliedes, des Genres der Heldenepen; sie hat diese Struktur der Bibelgeschichte übergestülpt:
- Heldenstrukur

- Das Thema des Epos hat eine übergeordnete Relevanz

- Der Held muss ein großes Gebiet durchreisen, Konflikte, Schlachten

- mystische Gestalten

Alle diese Grundthemen kommen bei den Werken von Frau Ava vor. Frau Ava kritisiert auch den Adel (…. die Burgen fallen auseinander… im „Jüngsten Gericht“); sie kritisiert jedoch nicht den Klerus.

 

So zu schreiben bedarf an ausgeprägtem Selbstbewusstsein, Frau Ava hat auch den Wissenshintergrund und Kompetenz des höfischen Lebens. Sie ist sicherlich kein „schlichtes Gemüt“, wie manchmal gemeint wird. Sie schreibt ihre Werke auch nicht in der Demutsformel („Gott spricht durch mich, ich bin sein Werkzeug“); sie nimmt klar Stellung zu ihrem Werk – dies hebt sie heraus im Vergleich zu den Schriftstellerinnen dieser Zeit, die entweder als Mystikerinnen oder in der Demutsformel schreiben. Herrad von Hohenburg kommt mit ihrem Hortus deliciarum" ("Garten der Wonnen"), eines der hervorragendsten Miniaturenwerke des Mittelalters, den Werken von Frau Ava noch am nächsten. Das Werk ist ein enzyklopädisches Belehrungs- und Erbauungsbuch für Nonnen in lateinischer Sprache. Es enthält Auszüge aus der Bibel, aus Kirchenvätern und späteren Kirchenschriftstellern, auch aus einigen profanen Autoren sowie zahlreiche eingestreute Gedichte der Verfasserin und anderer Dichter. Herrad schrieb dieses Buch ca. ein halbes Jahrhundert nach dem Tod von Frau Ava.

 

Die Apokalypse bei Frau Ava:

Sie verwendet hier die 15 Zeichen der Apokalypse, sie dreht damit die 7 Tage Schöpfungsgeschichte um - den 7 Tagen stehen die 15 Zeichen der Apokalypse gegenüber: Aus den 7 Gaben, vier körperlichen und 3 geistigen, werden mal zwei 14 Zeichen der Apokalypse, ein Zeichen bleibt für den letzten Tag. Die Schöpfungsgeschichte dreht sich in diesen 14 Tagen rückwärts, alles spiegelt sich wieder. Frau Ava arbeitet hier mit den vier Elementen: Vier Zeichen sind im Wasser, es beginnt sich zu ändern, die Fische beginnen miteinander zu kämpfen usw., drei Zeichen sind in der Luft, die Winde kommen durcheinander, ebenso die Sterne und Planeten, die Vögel kämpfen, sieben Zeichen handeln von der Erde, die Berge fallen auseinander, die Steine teilen sich in vier Stücke (hier spielt Frau Ava auf die vier Evangelisten an, die - auf den ersten Blick ungewöhnlich - die Toten erwecken), alles Geschmeide, Gold, Silber fällt auseinander, alle Tiere werden irrsinnig und streiten und kämpfen, das Sozialgefüge geht kaputt, sogar die Toten streiten. Die Apokalypse dreht die Schöpfungsgeschichte zurück in das totale Chaos - und am 15 Tag kommt das vierte Element, das Feuer, das alles reinigt, es kommt Christus.



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